Lola Arias

Werk

Futureland
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Theaterstück, 2019

Was bringt einen Teenager dazu, alleine eine gefahrenvolle Reise in ein unbekanntes Land anzutreten? Welche Situation führt Eltern dazu, ihr Kind in ein anderes, fernes Land zu schicken, um es in Sicherheit zu bringen? Und was sagt dies über die Welt, die Gesellschaft, in der wir leben, dass Millionen von Minderjährigen ihr Leben riskieren, auf der Suche nach einer Zukunft?

Fünfzig Prozent der Geflüchteten in Europa sind Minderjährige und viele davon sind unbegleitet. Kinder und Jugendliche kommen nach Europa, um ihr Überleben zu sichern und sind konfrontiert mit einem System, das sie nur zeitweise schützt. Laut Asylgesetz dürfen unbegleitete minderjährige Geflüchtete nicht abgeschoben werden. Mit anderen Worten: sie sind sicher bis zum achtzehnten Lebenjahr. Aber welche Zukunft haben junge Menschen, wenn sie sich davor fürchten müssen, erwachsen zu werden?

Futureland ist ein Science-Fiction-Dokumentartheaterstück mit Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren, die alleine aus Afghanistan, Syrien, Somalia, Guinea, Bangladesch nach Deutschland gekommen sind. Sie haben die Welt zu Fuß, mit dem Boot oder versteckt in einem Lastwagen durchquert und leben jetzt in Berlin, umgeben von Sozialarbeiter*innen, Jugendamt, Vormündern und anderen jungen Menschen verschiedener Kulturen. Es sind Teenager, die in einer neuen Welt gelandet sind, deren Regeln sie nicht kennen. Sie haben eine Schonfrist: sie können hierbleiben, aber sie wissen nicht, wie lange. Sie müssen ständig beweisen, dass sie Asyl verdienen, eine Chance in der Schule oder einen Platz in einem Freundeskreis. Sie befinden sich zwischen den Kulturen, zwischen Kindheit und Erwachsensein, zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, auf der Suche nach ihrer eigenen Identität.

Futureland versammelt verschiedene Visionen von Zukunft – entwickelt aus den Vorstellungen jener, die schon mehr erlebt haben, als viele von uns in ihrem ganzen Leben.

Eine Koproduktion mit der Ruhrtriennale und gefördert von der Kulturstiftung des Bundes. Mit freundlicher Unterstützung von XENION - Psychosoziale Hilfen für politisch Verfolgte e.V.

Atlas des Kommunismus
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Theaterstück, 2016

Im Sommer 1917 fuhr Lenin mit Erlaubnis des Deutschen Kaisers in einem plombierten Zug nach Petrograd und entfachte die Funken der Oktoberrevolution. Doch die Zugfahrt hinterließ auch im Transitland Spuren: 1918 versuchte Karl Liebknecht vom Balkon des Berliner Stadtschlosses die freie sozialistische Republik auszurufen. In der Geschichtsschreibung dominieren Männer.

99 Jahre später lädt die argentinische Regisseurin Lola Arias, die sich in ihren Arbeiten gemeinsam mit nicht-professionellen Darsteller*Innen mit geschichtlicher Aufarbeitung auseinandersetzt, Menschen zwischen 10 und 84 auf die Bühne, um ihre Geschichten zu erzählen.

Gemeinsam werden sie ihr eigenes Leben rekonstruieren und das von Salomea Genin. Salomea Genin musste als Kind einer jüdischen Familie vor dem nationalsozialistischen Terror nach Australien fliehen, wo sie vom kommunistischen Traum inspiriert wurde. Bei einem Besuch in der DDR beschloss sie, den Aufbau des sozialistischen Staates auf deutschem Boden zu unterstützen. Sie arbeitete viele Jahre für die Staatssicherheit als IM, bis sie erkannte, dass die DDR ein Polizeistaat geworden war, und damit brach. Der biografische Bericht Salomea Genins wird flankiert von den Geschichten einer Übersetzerin, einer Schauspielerin, einer Punksängerin und einer vietnamesischen Vertragsarbeiterin, sowie einem Puppenspieler, einer 16jährigen Aktivistin und einer Schülerin aus Berlin Pankow.

Sie berichten vom Singen kommunistischer Arbeitslieder vor den Fabriken, von den Lehren der Sozialistischen Brüderländer, von der Überwachung im Alltag, von Konzerten in Kirchenräumen, vom Diskutieren in den Theatern der Wendezeit, von den brennenden Asylbewerberunterkünften in Ostdeutschland und den Forderungen der Geflüchteten heute. Ihre Erzählungen und subjektiven Wahrheiten zeichnen ein Bild vom Persönlichen im Politischen, vom Scheitern und Wiederaufstehen.

Audition for a Demonstration
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Performance, 2014/2019

Wie stellt man große historische Momente dar? Die Rebellion eines Volkes, der Zerfall eines Regimes, das Überwinden von Grenzen? 25 Jahre nach dem 9. November 1989 wird eine argentinische Regisseurin, die etwas über deutsche Geschichte in Wikipedia gelesen hat, gemeinsam mit einem Dramaturgen, der in Ost-Berlin aufgewachsen ist, die Protagonist*innen suchen für eine Massen-Reenactment des Falls der Berliner Mauer.

Wie kam es zu jenen Ereignissen von 1989 und den Bildern, die um die Welt gingen? Was erzählen uns ihre Protagonist*innen? Wie erleben wir den Widerstand jener Tage heute und wie hat sich unser Blick darauf verändert? Wie verändern sich die Slogans und Gesten im Kontext der Zeit? Und was sagen die Kandidat*innen von heute? Gibt es noch etwas von der DDR? Wie weit geht man als Teil der Masse? Und was kostet die Beteiligung?

Lola Arias wurde weltweit bekannt durch ihre Werke Mi vida después (My Life After, 2009) und El año en que nací (The Year I Was Born, 2012). In beiden Werken beschäftigen sich Jugendliche, die während der argentinischen Militärdiktatur oder unter der Pinochet-Diktatur in Chile geboren wurden, mit den Biografien ihrer Eltern. Ihre Arbeiten wurden zuvor im 3. Berliner Herbstsalon (2017) gezeigt.